„Zwischenräume“


Malerei

Neue Bilder von Ulrich Olschewski

 

Ausstellung im Diessener Taubenturm beim Marienmünster,


Heimatverein Diessen e.V.

 

Vernissage am 26. Juni 2015 um 20.00 Uhr

Öffnungszeiten an drei Wochenden:

am 27. und 28. Juni, 4. und 5. Juli sowie 11. und 12. Juli

jeweils von 12 bis 18 Uhr

 

Gang durch die Ausstellung

(Klicken Sie auf die Bilder, um eine vergrößerte und vollständige Darstellung zu erhalten.)

Erster Stock im Taubenturm:

Zweiter Stock:

 

Dritter Stock:

 

Pressetext zur Ausstellung

„Zwischenräume“ von Ulrich Olschewski

 

Angeregt durch die Technik der Drip-Paintings von Jackson Pollock entwickelte der Diessener Künstler und langjährige Kunstpädagoge Ulrich Olschewski seine Malweise, in der aus dem scheinbar absichtslosen Tröpfeln der Farbe figurative Szenen entstehen, die Ausdrucksformen für persönliche Empfindungen darstellen.

Der Fluss der Farbe auf der Leinwand wird nach einem ersten tastenden Suchen so gelenkt, dass trotz der Auflösung fester gegenständlicher Grenzen figurative Formen sich herausbilden und zusammenhängende Bildszenen wiedergeben. Ihn interessieren Grundfragen des menschlichen Seins, die sich antagonistisch gegenüberstehen: Feindschaft und Freundschaft, Hass und Liebe, Rache und Gnade. Themen dazu findet Olschewski in der antiken Literatur wie der Ilias und der Odyssee von Homer.

Diesen Gegensätzlichkeiten aus den literarischen Vorlagen entsprechen die Mischtechnik der Bilder sowie die Brüchigkeit in den figurativen Darstellungen. In einem aus geometrisch verzahnten Versatzstücken aufgebauten Rahmen, gleich einer buntfarbigen Bühne, entwickeln sich die zerfließenden, dunkel abhebenden Figuren zu einer emotional aufgeladenen Darstellung. Sie erscheinen in Zuständen zwischen Starrheit und Bewegung, Spannung und Entspannung und werfen dabei eines der Grundthemen der menschlichen Existenz auf: die Frage nach Eingrenzung und Freiheit.

Dr. Hajo Düchting

 

 

Vernissage am 26. Juni 2015 im Diessener Taubenturm

 

Einführung in die Ausstellung: Dr. Hajo Düchting

„Meine Damen und Herren,

Wer sie erlebt hat – die wilden 60er Jahre des 20.Jh. – könnte darauf schwören, dass es nichts Interessanteres und Aufregenderes gab, als in dieser Zeit zu leben. Die Fronten waren noch klar abgesteckt – dort das Establishment, die alte Generation, die auch nach dem wagnerianischen Untergang des 3. Reiches nichts dazu gelernt hatte und es auch anscheinend weiter nicht wollte – hier die neue aufbegehrende, kritische Generation der sog. 68er, langhaarige, ungepflegt wirkende Hippies, die an den Grundfesten der Gesellschaft rüttelten – und dies mit nachhaltigem Erfolg, wie wir heute wissen.

Es war die Zeit des Ausprobierens, des Experimentierens mit neuen Formen des Zusammenlebens und der gesellschaftlichen Auseinandersetzung, und es war in der Kunst die Zeit einer ungeheuren Welle künstlerischer Experimente, der Rund-Erneuerung aller Künste, der Auflösung starrer Genregrenzen, der Vermischung und Durchdringung aller Künste.

Auch Ulrich Olschewski, der damals nach einem Studium an der Münchner Akademie als Kunstpädagoge anfing, experimentierte in diesen Jahren mit verschiedenen Techniken, um neue Ausdrucksformen für seine persönlichen Empfindungen zu entwickeln.

Angeregt vom sog. Drip-Painting (erfunden von Max Ernst / weiterentwickelt von Jackson Pollock und anderen Malern des Abstrakten Expressionismus) konzentrierte sich Olschewski zunächst noch auf das Entdecken von überraschenden Farbgebilden während des freien Malprozesses. Diesen Prozess hat er aber zugunsten seiner pädagogischen Tätigkeit auf Jahre unterbrochen und erst nach Beendigung seines Engagements als Kunstpädagoge und Kunstvermittler konnte er sich wieder ganz ausschließlich der eigenen Malerei widmen. Nun wurde wieder an die alten Experimente angeknüpft, an die Drip-Technik, doch entwickelte sich daraus eine ganz neuartige Malweise, in der aus dem scheinbar absichtslosen Tröpfeln und Kleckern der Farbe figurative Szenen entstanden.

Im Unterschied zu Pollocks fliegendem Pinsel lässt Olschewski jedoch die Farbe direkt aus der Tube fließen und auf der Leinwand erstarren. Nach einem ersten tastenden Suchen wird der Fluss der Farbe so gelenkt, dass sich trotz der Auflösung fester gegenständlicher Grenzen figurative Formen herausbilden und zusammenhängende Bildszenen bilden. Diese geschickte Führung der „Luftzeichnung“ ist wohl Olschewskis langjähriger Übung im Zeichnen zu verdanken.

Anregungen dazu findet der Künstler in der antiken literarischen Tradition, wie aus der Ilias und der Odyssee von Homer. Hier finden sich die existenziellen Ängste und Nöte des Menschen versammelt, eine Fülle von menschlichen Beziehungen wird aufgezeigt, Gegensätze prallen aufeinander und werden schließlich gelöst.



(Beispiel: Lotosesser)

In der Odyssee wird von einem Volk der Lotophagen (Lotosesser) berichtet, das an der
libyschen Küste gelebt haben soll. Der Lotos ist nach Herodot eine süß schmeckende Frucht von der Größe der Frucht des Mastixbaumes. Die Lotophagen hätten auch Wein daraus hergestellt. Als Odysseus mit seiner Mannschaft an Land geht, schickt er zwei Gefährten aus, die von den Lotophagen freundlich empfangen werden.

Als Willkommensgeschenk geben sie den Gefährten Lotos. Darauf vergessen die Männer ihre Heimat und den Zweck ihrer Landung. Odysseus muss die Männer in das Schiff zurückzwingen. Danach reisen sie los und kehren nie mehr dorthin zurück.

Ulrich Olschewski hat dieses Thema in seine eigene Farb-Schrift übersetzt:
Von links kommen zwei Figuren ins Bild, sie nähern sich einer Gruppe von teils am Boden liegenden, teils schwebenden Figuren in der Bildmitte. Während die erste der eintretenden Figuren begierig die Hand nach der Zauberfrucht ausstreckt, scheint die zweite sich bückende Figur bereits in den Rauschzustand hinein zu gleiten. In der mittleren Gruppe hat sich der Rausch dann voll entwickelt, wie man am Grad der Auflösung der Pinselschrift sehen kann. Zur rechten Seite schreiten zwei Figuren aus dem Getümmel wieder heraus, wohl die zwei Gefährten Odysseus nach dem Rauschzustand, die zum Schiff zurückkehren müssen.

Mit dem Motiv der Lotosesser werden die Themen von Rausch, Vergessen und Auflösung genauso benannt wie auch Selbstbesinnung und Rückkehr zur Ordnung. Der Hingabe an den Rausch folgt die Ernüchterung und Wieder-Aufnahme der freundschaftlichen bzw. gesellschaftlichen Pflichten.

So stellt sich die Sage der Odyssee nicht nur als fabulierendes Abenteuerbuch dar, sondern auch als Inauguration des Individuums in den Kanon der zivilisierten Gesellschaft, die allerdings nur unter Auflage von Prüfungen und Leiden zu bestehen ist.    

Ulrich Olschewski interessieren diese Grundfragen des menschlichen Seins, die sich antagonistisch gegenüberstehen: Krieg und Frieden, Feindschaft und Freundschaft, Hass und Liebe, Rache und Gnade.

Diesen Gegensätzlichkeiten aus den literarischen Vorlagen entsprechen die Mischtechnik der Bilder sowie die Brüchigkeit in den figurativen Darstellungen: Auf einer oft aus geometrischen Formen aufgebauten, oder informellen buntfarbig gehaltenen Bühne entwickeln sich die zerfließenden, sich zur Buntheit dunkel abhebenden Figuren zu einer emotional aufgeladenen Darstellung zwischen Starrheit und Flexibilität, Spannung und Entspannung, Fest und Flüssig und werfen dabei eines der Grundthemen der menschlichen Existenz auf: die Frage nach
Begrenzung und Freiheit.

Es entstehen „Zwischenräume“ zwischen Unvollständigkeit und Vollständigkeit, Offen und Geschlossen, Fließend und Begrenzt. Gezeigt werden Grenzsituationen von Gefühlen bzw. Brüche und Übergänge menschlichen Verhaltens. In der Figurwerdung der flüssigen Farbe manifestiert sich die ganze Bandbreite der menschlichen Existenz: Angst und Übermut, Ernst und Freude, Kampf und Scheitern, Gier und Willenlosigkeit, die Absurdität des Lebens eingedenk seiner Begrenztheit im Tod. Zwischen diesen Extremen ist der lange und schwierige Weg des Menschwerdens eingespannt, auf dem uns die Kunst begleiten und fördern kann, wie es der Künstler selbst in seinem Leitsatz formuliert hat: „Kunst löst Grenzen auf und ist ein Weg zur Freiheit.“

So locker und flüssig diese Bilder daher kommen, so vielfältig sind also ihre Konnotationen und Verweise. Sie betreffen uns alle, ob wir um die Zusammenhänge wissen oder nicht, denn sie rühren an der Schicksalhaftigkeit unserer eigenen Existenz, unserem Ausgesetztsein im endlos-endlichen Meer des Lebens, in dem wir treiben, ohne oft zu wissen wohin und warum.
Lassen Sie sich also nun, meine Damen und Herren, auf diese berührenden Bilder ein und erleben sie ihre eigene Odyssee der Gefühle.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und viel Freude in der Ausstellung!“

Pressetexte zur Ausstellung

(Klicken Sie auf die Bilder, um eine vergrößerte und vollständige Darstellung zu erhalten.)