Ausstellung im Studio Rose vom 8. Juli bis 17. Juli 2016

„Auswege“

Malerei

 

Neue Bilder von

Ulrich Olschewski

 

Variationen zum Thema „Skylla und Charybdis“

 

Ausstellung im Studio Rose in Schondorf am Ammersee,

Bahnhofstraße 35

http://www.studio-rose-schondorf.de/

 

Vernissage am 8. Juli 2016

um 19.00 Uhr

mit einer Einführung durch

Dr. Dietrich Sturm*

 

Öffnungszeiten der Ausstellung an zwei Wochenenden:

am 9. und 10. Juli sowie

am 16. und 17. Juli.

Pressetext zur Ausstellung „Auswege“:

 

Die Übergänge in der Kunst von einer Epoche in die nächste waren ereignisreiche Umbrüche, die von Sehnsucht, Neugierde und Lebendigkeit geprägt waren. Für den Themenschwerpunkt „Zwischenräume“ meiner letzten Ausstellung im Dießener Taubenturm war die bildnerische Umsetzung des Erlebnisses von Übergängen bestimmend.

 

In meinen neuen Arbeiten setze ich mich ebenfalls mit „Übergängen“ auseinander, insbesondere solchen, die „Auswege“ aus Grenzsituationen des menschlichen Lebens darstellen. Viele Anregungen dazu finde ich in der Odyssee.

 

Homer beschreibt die abenteuerliche Heimkehr seines Helden, die von endlosen Gefahren bedroht wird, sogar Götter sind gegen ihn. Im 12. Gesang schildert der Dichter die Bewältigung der Meerenge zwischen den Ungeheuern Skylla und Charybdis, die nach Menschenopfer gieren. Dieser atemberaubende Bericht hat mich besonders fasziniert. Eine scheinbar ausweglose Situation, die Odysseus nur meistern kann, wenn er einige seiner Freunde opfert – ich denke, diese verzweifelte Lage hat kaum ein Autor bildmächtiger geschildert.

 

Den entsetzlichen Zwiespalt, dem Odysseus in diesen dramatischen Augenblicken ausgeliefert ist, dem er mit seinem Schiff nicht entrinnen kann, ohne gegen seine Willen zu handeln, ohne zu tun, wofür er sich ein Leben lang anklagen wird – diesen Zwiespalt will ich in meinen Bildern nachempfinden. Vor allem auch, weil jeder Mensch – und jede Gesellschaft – irgendwann in diese Lage kommen kann: keine Rettung ohne Schuld.

 

Es gibt keine griechischen Götter mehr, aber immer noch erfahren wir Unfassbares, dessen Ursache wir kaum erahnen, im Guten wie im Bösen. Die Helden der Odyssee sind lange tot, aber stets leben Menschen, die Unerhörtes leisten. Skylla hat es nie gegeben, wohl aber besteht bis heute Ungeheuerliches und Unausweichliches, das uns bedroht.

 

Doch es sind nicht nur die großen Themen und Konflikte, die uns für die Odyssee einnehmen. Es ist auch der  Humor und das Augenzwinkern, mit dem Homer uns seine Figuren nahe bringt. Als wären es Menschen von hier. Auch am Ammersee gibt es zuverlässige Freunde, treue Ehefrauen, liebevolle Göttinnen und vielleicht auch die eine oder andere bedrohliche Sirene.

 

 

Ulrich Olschewski

 

*Dr. Sturm – der Vetter von Helmut Sturm, Gruppe SPUR – hat im Rahmen seiner Tätigkeit am Goethe-Institut Ausstellungen zahlreicher Künstler verantwortet und ausgerichtet, darunter bekannte Namen wie Christo, Robert Gernhardt, Horst Janssen, Wolfgang Niedecken, Ulrich Rückriem, Wolf Vostell und Sonja Alhäuser, war aber auch für viele junge Künstler tätig, vor allem aus Deutschland, Frankreich und Belgien.

Vernissage am 8. Juli 2016

 

Einführung

 

Ausstellung „Auswege“

von Ulrich Olschewski

Studio Rose, 8. – 17. Juli 2016

 

Sehr geehrte Damen und Herren

 

Viele von Ihnen haben sicherlich Olschewskis Bilder bereits vergangenes Jahr in der Ausstellung im Dießener Taubenturm erlebt. Sie zeigen ein Wechselspiel von Flächen und Linien, das Jackson Pollocks Anregungen nicht verleugnet. Hajo Düchting hat im Taubenturm darauf hingewiesen.

Dieses Gestaltungsprinzip, scheint mir, wird Homers Dichtung, seinen Geschichten in ganz besonderer Weise gerecht. Die Linie als Energieträger mag für Dynamik stehen, für die rasche Folge der dramatischen Ereignisse, für ihren verschlungenen Gang, auch für das Mitwirken der Götter als Feinde unseres Helden oder als seine Beschützer. Die Fläche spiegelt die Phasen der Ruhe, des Kraft Schöpfens, des zu sich Kommens, gerne in den Armen einer schönen Frau wie der Zauberin Kirke, bei der Odysseus ein Jahr verweilt. Oder einer Göttin gar, wie Kalypso, auf deren Insel er sieben Jahre verbrachte. Nicht alles in diesen 10 Jahren der Irrfahrt also war für Odysseus Kampf mit tobenden Wogen, zornigen Göttern und grauenhaften Monstern.

Um diese Vielfalt ins Bild zu setzen, greift Olschewski zu einer Darstellungsweise, die ich als semantische Abstraktion bezeichnen möchte: Farben und Formen und Linien scheinen zunächst autark, auf sich selbst verweisend.

Die eingeschlossenen Motive verwehren sich dem ersten Blick sehr oft. Doch bergen sie, abseits von jeglicher figurativer, konkreter Interpretation, die Aufforderung, zu suchen und zu entdecken, sich durch ihr Wesen, ihren Rhythmus zu einem Bilderlebnis führen zu lassen, das tiefer geht als eine distanzierte Betrachtung.

Die malerischen Ereignisse entfalten sich oft vor blauem Hintergrund, seidig zart und transparent bisweilen, wie der morgendliche Himmel über der Ägäis, oder dunkel, fast schwarz, wie die wütenden Wellen, die des Helden Leben bedrohen.

 

Die Odyssee hat ihre Wirkung in den zweieinhalb Jahrtausenden nicht eingebüßt. Theaterinszenierungen, so auch in München, die sich nicht zuletzt an junge Menschen richten, zeugen ebenso davon wie Fernsehsendungen, etwa „Auf den Spuren des Odysseus“ bei 3SAT vor wenigen Tagen. Der Grund ist sicher darin zu suchen, dass es sich eben nicht nur um eine gut geschriebene Abenteuerstory handelt, mit Schiffen und Schiffbruch, mit mutigen Männern, mit zärtlichen, listigen Frauen, mit Ungeheuern und Monstern. All das erlebt der Leser, sicher. Aber er wird auch konfrontiert mit Grundkonstellationen des Lebens: Kampf und Gefahr, Verzweiflung und Hoffnung, Ringen mit dem Schicksal, und natürlich Liebe und Tod. Dahinter steht stets die Frage: Was bedeutet uns das Ziel? Und: Wie gestaltet sich der Weg, zwischen Freud und Leid?

Viele Bilder, die uns Homer vorgibt, sind prägend geworden und werden bis heute zitiert: Der Sirenengesang etwa für Lockung und Versuchung einerseits, aber auch für Widerstand und Selbstüberlistung. Das trojanische Pferd für Täuschung, Verrat und Blindheit. Kirke und Kalypso für den Zauber und die Göttlichkeit der Liebe. Penelope, die zehn Jahre auf ihren geliebten Gatten wartet, als Inbegriff ehelicher Treue und Liebe. Und Skylla und Charybdis für ein nahezu auswegloses Dilemma.

 

„Auswege“ hat Uli Olschewski die Serie neuer Bilder betitelt, die wir heute sehen. Odysseus war ein Meister darin, Auswege zu finden. Dass seine Mittel nicht immer lauter waren, sei ihm 2500 Jahre danach verziehen. Dass er nie aufgegeben hat, verdient unsere Bewunderung. Er hat dafür oft gelitten. All das – und damit auch ein Stück von uns - finden wir in Olschewskis Bildern.

 

Dr. Dietrich Sturm

 

Presse: